13. August 2026 Unser Freund wird uns bei dem heutigen Törn begleiten, das hat er schon mal vor fast genau 10 Jahren auf dem Weg von Tallin nach Helsinki gemacht. Carmen wird währenddessen mit dem Auto nach Saint-Quay-Portrieux kommen.
Wir müssen die Fahrt deutlich vor Niedrigwasser starten, denn es ist Springzeit (und eine sehr starke, wegen dieser Sonnenfinsterniskonstellation vorgestern) da wird es bei Niedrigwasser im Fluss zu flach. Leider bedeutet das aber auch viel Strömung. Das Ablegen im Strom ist auf jeden Fall anspruchsvoll. Wir hatten in den letzten Tagen schon das ein oder andere Drama gesehen. Der Skipper glaubt, das geht, die Skipperin ist skeptisch. Zu Recht, wie sich herausstellt. Kaum sind wir gegen den Strom rückwärts etwas aus der Box gefahren, wird das Schiff seitlich versetzt und auf das Nachbarschiff gedrückt. Genau davor hatte Heike gewarnt… Es sind ganz schön starke Kräfte, mit denen wir seitlich am Heck des Nachbarschiffs hängen. Keine Chance, hier mit Motorkraft wegzufahren. Also drücken und ziehen wir uns mit viel Kraft und Gefühl wieder zurück auf unseren Liegeplatz. Da ist es sehr praktisch, dass wir einen ganzen Satz Extramuskeln an Bord haben.
Zurück am Start probieren wir das Manöver erneut. Diesmal mit mehr Schwung, und genau in den Strom. Das klappt und auch das Umschalten in den Vorwärtsmodus geht schnell genug, um die Kurve raus aus der Boxengasse zu nehmen. Geschafft!
Zum Glück ist nichts kaputt gegangen, nicht an unserem Schiff und vor allem nicht an dem Nachbarschiff, von dem wir uns abdrücken mussten. Einzig der Stolz des Skippers hat etwas gelitten, später wird man gar von einem leichten „Streaming-Trauma“ reden ;-).
So fahren wir erst mal fast eine Stunde unter Motor gegen den Wind den Fluss hinunter, bis schließlich draußen an der Ansteuertonne die Segel gesetzt werden können. Es ist zwar etwas ungemütlich wellig, weil noch der Strom gegen den Wind läuft, aber wir können zügig segeln. Als wir abfallen müssen, wird es etwas langsamer, zeitweise fahren wir sogar im Schmetterling. Aber bald wird die Geschwindigkeit durch den nun mitlaufenden Strom wieder gut gemacht.


Da es bei den 3 bis 4 Beaufort (Windstärke) kaum Welle gibt, nehmen wir die Abkürzung zwischen der Île de Bréhat und den vorgelagerten Untiefen. Und da erleben wir mal wieder Gezeitenstromspektakel vom Feinsten. Mit einem mal sind um uns herum wieder Wirbel, aus dem Nichts auftauchende, brechende Wellen (Overfalls) und Strömungswellen. Wir werden tatsächlich mit bis zu 5 Knoten zusätzlich durch die Durchfahrt geschoben, haben also zwischenzeitlich 9 Knoten Fahrt über Grund…echt ungewöhnlich. Aber klar, heute ist die Tide ja auch besonders stark.
Als wir hinter der Durchfahrt nach Osten abbiegen wollen bzw. müssen, klappt das unter Segeln nicht mehr. Wir sind so langsam, dass wir vom Strom weiter in Richtung der nächsten Untiefe gedrückt werden, als das sein sollte. Also nehmen wir die Spannung etwas raus und werfen für 15 Minuten den Motor an, um wieder in das segelbare Fahrwasser zu kommen.
Auf den verbleibenden 10 Meilen nimmt der Wind wieder zu, kommt immer günstiger und wir zischen mit dem Strom in Richtung Saint-Quay-Portrieux. Schließlich sind wir schon deutlich vor der geplanten Zeit am Zielhafen. Wir müssen in der Ansteuerung noch auf ein paar Untiefen aufpassen, dann heißt es wieder „Fender und Leinen klarmachen“. Wobei wir dieses Manöver tatsächlich erst in der Hafeneinfahrt beginnen, in den Wellen draußen war das nicht gut möglich.

Wie üblich werden wir von einem Hafenmeister abgeholt und zu einem Liegeplatz geleitet, in den uns Heike elegant anlegt. Unser Gast Thomas ist sehr zufrieden mit dem Segeltag. Er hätte sich gerne etwas mehr Action und Lage gewünscht, aber wir sind froh, dass genau das nicht so war 🙂
Kurz darauf kommt Carmen mit ein paar Einkäufen an Bord, und wir beenden den Tag mit einem leckeren, gemeinsamen Abendessen im Cockpit.
