(Film ist jetzt auch im Artikel verfügbar!!)
13. Juni 2026. Der Wecker ist wieder für 5 Uhr morgens gestellt. Beim Blick aus den Fenstern ist noch alles ganz still und dunkel, wir vermuten aber, dass noch einige Boote mit uns heute den Hafen Richtung Camaret verlassen werden. Außerdem zeigt uns der Blick etwas, dass zumindest für die ersten Stunden dieses Tages Spannung, genaues Navigieren und anstrengendes Ausschauhalten verspricht: dichten Nebel. Der war zwar auch angekündigt, wir hatten aber gehofft, dass er nicht so dicht werden würde.
Als wir um 6 Uhr abfahrbereit sind, ist dann auch auf vielen Booten um uns herum Leben und auch die Karl-Crew meldet sich startbereit. Wir legen ab und können in der Hafenausfahrt im Nebel gerade so das nächste Boot erkennen, hinter Karl verlassen wir die Marina und tasten uns langsam voran in Richtung Ile de Batz.
Da wir noch den Track von vor drei Jahren gespeichert haben, entscheiden wir uns trotz des dichten Nebels den Chenal de Batz zu fahren, der im Slalom zwischen Felsen und Untiefen hindurch zwischen dem Festland und der Insel hindurchführt und uns drei Meilen Umweg um die Insel herum erspart.
Der Nebel bleibt sehr dicht, Tom schaut mit auf den Track und Heike steuert konzentriert genau auf der Route. Die Seezeichen sind im dicken nassen Grau meist erst zu sehen, wenn wir sie in gebührendem Abstand passieren, oft nur hinter dicken Nebelschwaden zu erahnen. Es ist kalt, aus dem Rigg tropft es nass auf uns herunter und auf unserer Kleidung setzt sich der Nebel als kleine feine Perlchen ab.
Als wir uns dem Ende des Kanals nähern, werden die Wellen höher und der Schwell, der durch den starken Westwind der letzten Tage entstanden ist, kommt uns entgegen, wir werden auf den langgestreckten Wellen bis zu 3 Meter hochgehoben und sanft wieder heruntergelassen. Die Seebeine müssen nach der langen Segelpause erst wieder in Schwung kommen und die Wellen scheinen sich durch den Gezeitenstrom noch weiter und steiler aufzutürmen. Die anderen Boote sehen wir fast nur auf dem AIS, um uns herum hält der dichte Nebel bis zum frühen Nachmittag an.

Diese Etappe erfordert vorausschauende Planung und ständiges Überprüfen von Windvorhersagen, Zeitplan, Strömungsstärken und gefahrener Stecke, um zum richtigen Zeitpunkt im Chenal de Four zu sein, um nicht den für den Nachmittag angesagten stärkeren Wind gegen die starke Strömung im Chenal zu haben und dadurch eventuell gegen sehr unangenehme, steile und möglicherweise auch chaotische Wellen anfahren zu müssen. Dazu kommt noch der Tangbewuchs am Rumpf, der uns langsamer macht, auch das muss mit einberechnet werden. Und wir möchten auch möglichst im Hellen in Camaret ankommen, da wir den Hafen noch nicht kennen.

Das Wellenbild ändert sich während der Fahrt gefühlt in kurzen Abständen, mal ist es eine chaotische und unruhige „Wabbelwelle“ die uns kräftig durchschaukelt, bestehend aus dem Schwell, aus einer kleinen Windwelle und aus dem Gezeitenstrom, dann wieder ziehen die großen Atlantikwellen majestätisch und fast glatt unter uns hindurch. Es ist ein eigenartiges Gefühl, über mehrere Stunden nichts anderes als das Wasser und die mehr oder weniger dichten Nebelwände um uns herum zu sehen, wie unter einer Glocke…ab und zu kommt die Sonne ein bisschen durch und es zeigt sich ein kleiner blauer Fleck am Himmel, dann zieht sich alles wieder zu.
Um so unheimlicher fühlen sich Begegnungen mit anderen Booten an, da man sie erst spät kommen sieht. Bei einem Blick zurück bemerken wir z.B. ein norwegisches Boot, das recht nahe bei uns vorbeizieht und dabei immer wieder von den hohen Wellen fast völlig verdeckt wird. Wir hören das Nebelhorn von einem großen Schiff so nah, als wäre es nur noch einige hundert Meter von uns entfernt. Beim Blick auf das AIS stellt sich aber heraus, dass es vier Seemeilen weit entfernt ist.

Irgendwann kommt Wind von Norden auf, den wir nutzen wollen. Wir setzen, zusätzlich zum Motor, das Vorsegel und können dadurch eine gute Geschwindigkeit gegen den Gezeitenstrom halten. Der Wind nimmt dann so zu, dass wir den Motor für eine ganze Weile sogar abschalten können. Wir beide atmen tief durch, weil das laute Brummen verstummt ist. Es ist ein so ganz anderes Gefühl, endlich segeln zu können, nur das Geräusch des Windes und der Wellen im Ohr auf unserem Boot, das vom Wind gezogen viel stabiler im Wasser liegt.

Die massive Nebelbank, die eigentlich nur bis 11 Uhr angesagt war, begleitet uns fast bist halb drei und der Phare du Four blieb im Dunst, erst bei Einfahrt in den Chenal du Four bleiben die dicken grauen Schwaden endlich hinter uns. Wir freuen uns sehr, jetzt ist wieder Land, blaues Meer und Sonne sichtbar!!

Wir segeln vorbei an Ouessant und Molène und passieren irgendwann den Hafen von Le Conquet, wo die Fischerboote im Schwell an ihren Bojen schaukeln. Von hier aus sind wir vor 3 Jahren zunächst mit der Fähre nach Ouessant übergesetzt und hatten dort drei Tage in einer Ferienwohnung verbracht, weil der Wind so lange von Westen kam, dass wir dachten, wir schaffen es nicht mehr auf dem eigenen Kiel dorthin.

Ouessant bleibt leider diesmal im Nebel verborgen….wir würden gerne nochmal dort Zeit verbringen, aber nun möchten wir erstmal mit neue Häfen und Ankerplätzen besuchen, die wir noch nicht kennen.

Irgendwann reicht im Chenal du Four der Wind dann nicht mehr aus und der Motor muss wieder ran. Die Welle im Chenal ist trotz leichtem Gegenstrom und Wind von hinten erträglich und wir kommen stetig, wenn auch langsam, voran.

Es ist warm geworden, wir freuen uns sehr, endlich beide die warme Kleidung vom Morgen gegen leichte Sommersachen tauschen zu können.

Eigentlich dachten wir, dass wir nach der Pointe Saint-Mathieu, an der wir nach Osten abbiegen müssen, die 10 Meilen nach Camaret noch gut segeln können, leider stellt sich aber heraus, dass der Wind fast ganz eingeschlafen ist, sodass wir auch die restliche Strecke noch motoren müssen….wir sind inzwischen nach der langen Strecke schon einigermaßen müde und geschafft.

Pointe Saint-Mathieu mit ehemaligem Kloster

SY Karl hat eine Stunde früher als wir Camaret erreicht, wir sehen die Position auf dem AIS, sie liegen im hinteren Hafen, im Port Notic und beschreiben uns das auch schon per Messenger, als wir uns ca. um 19:00 Uhr dem Hafen nähern, es sind gerade noch zwei Gastplätze am Steg frei. Wir möchten auch gerne in diesem Hafen anlegen, da er näher an der Altstadt von Camaret gelegen ist.

Tour Vauban und Feu du môle Nord bei der Anfahrt auf den Hafen

Da noch ein weiteres Boot auf den Hafen zufährt, machen wir frühzeitig Leinen und Fender fertig. Am Hafeneingang kommt uns einer der Hafenmeister im Schlauchboot entgegen, Heike fragt ihn gleich auf französisch, ob noch ein Platz im Port Notic frei ist. Der Mitarbeiter ist sehr freundlich, bejaht und kommt mit seinem Boot bei uns längsseits, berichtet uns, dass die SY Karl uns schon angekündigt hat und erklärt uns, in welcher Box wir anlegen können. Das fühlt sich nach so einer langen Fahrt sehr komfortabel und angenehm an. Wir suchen uns vorsichtig unseren Weg durch das schon sehr niedrige Wasser im Hafen nach hinten, achten besonders genau auf die rote Tonne, damit wir nicht auflaufen, fädeln uns in die Boxengasse im Port Notic ein und da steht schon Hans bereit und nimmt unsere Leinen an.

Geschafft! Wir haben es „um die Ecke“ geschafft und sind, nach 62 Seemeilen und 12 Stunden Fahrzeit in der Südbretagne – und irgendwie auch im Sommer- angekommen!!

Wir feiern diese Etappe später noch bei Moules Frites und Pizza, im warmen Sommerwind zusammen mit Silke und Hans, und lassen den Abend, rechtschaffen müde aber glücklich, mit einem gemeinsamen Spaziergang im Abendlicht am Hafenbacken ausklingen.

Port Notic bei Niedrigwasser
Camaret-Sur-Mer

2 Gedanken zu „Camaret-Sur-Mer

  • 16. Juni 2026 um 15:08 Uhr
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    Tolle Bilder und das Video erst! Weiterhin viel Spaß ⛵ LG Dania

    Antworten
    • 16. Juni 2026 um 22:52 Uhr
      Permalink

      Vielen Dank, liebe Dania, das freut mich :)) Liebe Grüße!

      Antworten

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