11. September 2026 Wir wollen die moderaten Windverhältnisse und das günstige Gezeitentiming für die relativ weite Strecke von Dieppe nach Boulogne-sur-Mer nutzen. Also klingelt der Wecker auch heute wieder um 06:00 Uhr, um 07:30 legen wir ab. Nicht ohne vorher noch mal mit dem Tiefenlot (aka Schnur mit Gewicht unten dran) rund um das Schiff die aktuelle Tiefe kontrolliert zu haben. Sieht gut aus, am Bug haben wir zwar nur 1,4m Wassertiefe, aber nach hinten und zur Seite ist alles tief genug.
Die Semaphore, die Signalanlage im Hafen, zeigt freie Fahrt an. Da schauen wir speziell in Dieppe ja sehr genau, wie berichtet sind wie vor 3 Jahren hier schon mal wegen einer falschen Schaltung der Anlage unangenehm aufgefallen.

Draußen ist die Welle deutlich höher als erwartet, der Wind kommt aber wie vorhergesagt mit 4-5 Bft fast genau von hinten. Das ist leider nicht so praktisch wie es klingt, denn durch die Welle kommt der Wind mal von der einen, mal von der anderen Seite in die Segel. So ändern wir den Kurs etwas, und können sogar eine ganze Weile im „Schmetterling“, also Groß- und Vorsegel auf verschiedenen Seiten, segeln bzw. schaukeln.
Wir sind nicht besonders schnell, aber dank des schiebenden Stromes rechnen wir weiterhin mit etwa zehn Stunden bis zur Ankunft in Boulogne-sur-Mer. Irgendwann werden die Verhältnisse zu instabil, wir müssen das Großsegel einholen und nur mit dem Vorsegel fahren. Das ist zwar etwas langsamer, aber zumindest stabil möglich.
Um die Mittagszeit kommt dann wie angekündigt eine Regenfront. Die bringt nicht nur Regen, sondern auch eine starke Veränderung der Windverhältnisse. So haben wir innerhalb von einer knappen Stunde erst den Wind mitsamt Regen von hinten (dann gibt es bei unserem Cockpit leider keinen geschützten Platz mehr). Dann kommt der Wind plötzlich mit der gleichen Stärke von der Seite, wir zischen für eine Weile nur mit dem Vorsegel Richtung Ziel.


Aber auch das dauert nicht lange, der Wind nimmt ab, die Regenfront ist vorbei und nun haben wir nur noch 3Bft. Also Großsegel wieder raus, aber trotzdem ist von dem Geschwindigkeitsrausch einige Minuten vorher nichts mehr da. Immerhin, nun ist die Sonne immer wieder mal da, es ist trocken, es ist relativ warm und wir machen Fahrt.
Etwa zehn Meilen vor Boulogne-sur-Mer, der Wind ist weiterhin eher schwach, entscheiden wir, den Motor zusätzlich zu verwenden, um nicht später noch zusätzliche Zeit im Gegenstrom fahren zu müssen. So erreichen wir die Hafenmole gerade kurz nachdem der Strom gekippt ist, die letzte Meile fahren wir statt vorher mit etwa 6 Knoten nur noch mit 3,5 Knoten. Also knappes aber gutes Timing :-).
Den Hafen von Boulogne-sur-Mer kennen wir, und Heike steuert uns ganz entspannt durch das mit Malereien auf der Hafenmole markierte Fahrwasser des Vorhafens.
In der Marina ist erwartungsgemäß nicht viel los und wir erhalten per Funk die Anweisung uns „irgendwohin“ zu legen. Machen wir.

So sind wir nach rund 11 Stunden und 55sm an unserem nächsten Etappenziel angekommen. Müde und ganz klar in der Entscheidung, morgen nicht gleich wieder weiterzufahren.

