Freitag, 29. Mai

Das warme Wetter sollte Freitag abkühlen, die Windstille aber von einem leichten Nordwind abgelöst werden. Also haben wir uns für Freitag als Abfahrtstag von Treguier entschieden.

Schon vor 3 Jahren wollten wir gerne in der Bucht unterhalb des kleinen Schlosses, gar nicht weit von der Marina entfernt ankern. Also haben wir das diesmal gemacht. Eine Meile motoren, dann den Anker werfen. Naja, ganz so einfach war es nicht. Rund 10m Wassertiefe und ein Knoten Strom waren für uns ziemlich ungewohnte Randbedingungen. Aber schließlich hat der Anker gehalten, die Ankeralarme wurden aktiviert und wir konnten die abendliche Atmosphäre in Ruhe genießen.

In der Nacht hat kein Lüftchen geweht, vermutlich hätte auch nur eine Kette, ohne Anker, unser Schiff halten können. Dennoch waren wir unruhig, haben den Tidenwechsel genau beobachtet und immer wieder mal Umschau gehalten.

Die Nacht war dann früh vorbei. Wieder mal um 5:00 Uhr aufstehen. Im Morgengrauen ging es den Fluß abwärts, Richtung Atlantik. Während der fehlende Wind im Flußtal noch erwartbar war, mussten wir dann auch auf dem offenen Wasser feststellen, dass es zum Segeln nicht reichen würde. Also weiter mit Motor.

6 Stunden später, und einige Segel rauf und runter Manöver später, haben wir uns der Hafeneinfahrt von Roscoff genähert.

Direkt in der Hafeneinfahrt lag eine große Fähre, die von hier regelmäßig nach England fährt. Aber zum Glück war die noch beim Beladen. Zur Ein- und Ausfahrt wird der gesamte Bereich nämlich für Sportboote gesperrt und man muss draußen im Tidenstrom warten.

Die Marina hat sofort auf unseren Funkspruch reagiert, und kurz darauf kam uns auch schon ein Schlauchboot mit einem der Hafenmeister entgegen. Energisch schickte er uns Richtung Ponton B und D, während er noch schnell einem anderen Segelboot beim Anlegen half. Dann war er auch schon wieder bei uns und dirigierte uns zu unserem Liegeplatz – konstant auf den querlaufende Strom hinweisend.

Und so waren wir schon am frühen Nachmittag in Roscoff. Ohne Segelmeilen aber dafür mit vielen Motorstunden, aber auch ohne Regen und ohne große Wellen und wurden von der KARL Crew auch gleich am Steg willkommen geheißen.

Wir hatten überlegt, eventuell ein knappes Wetterfenster gleich am nächsten Morgen für die Weiterfahrt nach Camaret-sur-Mer zu nutzen. Aber da das 18 Stunden motoren und eine Ankunft in der Dunkelheit in einem unbekannten Hafen bedeutet hätte, haben wir uns entschieden die nächsten Tage mit starkem Wind aus Westen und Regen hier in Roscoff zu verbringen. Die Marina ist gut geschützt und ausgezeichnet ausgestattet.

Blick in die Bucht an unserem Ankerplatz
Tréguier im letzten Abendlicht
Plötzlich zieht Nebel auf
Morgenstimmung in der Anse Saint-Laurent
In der ruhigen Morgenstimmung kommt ein großes Frachtschiff den Fluss hinauf, eine besondere „Erscheinung“. Die Passage auf dem Fluss ist für solche Schiffe nur bei höchstem Wasserstand möglich.
…..und er fährt auch sehr nah an uns vorbei um in der Fahrrinne zu bleiben.
La Corne, eine der großen Markierungen, die auch bei Hochwasser noch weit sichtbar sind und den Wasserlandschaften hier ihren Charakter geben. Hier öffnet sich der Fluss bei Hochwasser zu einer weiten Wasserfläche, aber die Fahrwassermarkierungen müssen wir wegen der Felsen dennoch streng einhalten.
Motorfahrt von Treguier nach Roscoff

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