27. Juni 2026 Die  Île de Sein  ist eine kleine, karge Insel im äußersten Westen der Bretagne, Frankreich, etwa 8 Kilometer vor der Pointe du Raz gelegen. Mit einer Fläche von nur etwa  56–60 Hektar und rund 250 Einwohnern ist sie eine der abgelegensten und wildesten bewohnten Inseln Frankreichs. Laut Wikipedia „beträgt die maximale Länge rund 1,8 km, die Breite variiert stark, von etwa 30 m bis ca. 800 m. Der höchste Punkt (Felsen „rocher du Kador“) erreicht eine Höhe von etwa 15 m über dem Meeresspiegel. Im Mittel ist die Insel sehr flach (z. B. ~1,5 m) und häufig Überflutungen bei Sturmfluten möglich“.
Die Insel ist der höchste Teil der Chaussée de Sein, die sich über 32 km unter Wasser erstreckt. Es gibt dort etwa 2 000 Felsen, die bei Ebbe auf atemberaubende Weise zum Vorschein kommen.

Während unserer Reise haben wir oft überlegt, wie es wohl sein würde, zwischen der Insel und dem Pointe du Raz hindurchzufahren, das sogenannte Raz de Sein ist für seine starken und gegenläufigen Strömungen bekannt. Aber auch über einen Besuch der Insel, möglichst sogar auf eigenem Kiel, hatten wir oft nachgedacht.

Die Beschreibungen über die anspruchsvolle Ansteuerung der Insel und auch den schwierigen Ankergrund gaben uns aber erst mal zu denken.

Als Bespiel hier eine Beschreibung aus dem Esys Online Hafenhandbuch.
Auf dieser Seite finden sich auch noch weitere interessante, zum Teil auch geschichtliche, Informationen zur Insel.
Navigation:  Die Ansteuerung ist bei Tageslicht schwierig: Die Ansteuerung erfordert große Aufmerksamkeit: Es wimmelt (je nach Tide wechselnd) von Flachs und Felsen, manche sind mit  Kardinalzeichen  betonnt. Als Ansteuerungshilfe kann können tagsüber die Häuser der Ortschaft dienen. Bei der Ansteuerung von Norden oder Süden ist der Grand phare de l’Île de Sein (Fl(4).25s49m29M) nützlich. Nachts ist die Hafeneinfahrt steuerbords mit einem Sektorenfeuer (Oc(2).WRG.6s12-17M) ausgestattet.  Bei Niedrigwasser fällt die ganze Bucht trocken. Detailkarte zwingend notwendig!“

Daher beschlossen wir, zunächst von Audierne aus einen Ausflug mit der Fähre dorthin zu machen, um entspannt und und ohne Zeitdruck die Insel erkunden zu können.

Wir starteten also am Samstag mit einem Shuttle vom Stadthafen aus und wurden um 8:15 Uhr pünktlich abgeholt, unsere Fahrer wollte ganze 6 Euro für Hin- und Rücktour zur Fähre, die in der Bucht von St. Evette abfährt. Ein sehr freundlicher Franzose, der seinen Lebensunterhalt (im Sommer) mit Taxifahrten und als Chauffeur der Touristenbahn von Audierne bestreitet und dafür im Winter Zeit für’s Surfen in wärmeren Gefilden hat. Man kann ihn über das Touristenbüro erreichen.

Die Fähre war schnell gut gefüllt und beschleunigte nach dem Ablegen mit beeindruckender Geschwindigkeit. Anders als wir mit dem Segelboot muss sie mit ihren starken Motoren nicht ganz so genau auf die Verhältnisse im Raz de Sein Rücksicht nehmen, sodass wir diese Passage an diesem Tag auch mit mehr Strömung erleben durften.

Bei der Annährung an die Insel konnten wir dann auch noch besser verstehen, warum man die Insel auf eigenem Kiel nur bei sehr ruhigen Wetterlagen besuchen möchte. Sie ist umgeben von vielen kleinen und großen Felsengruppen, von denen einige nur bei Niedrigwasser auftauchen oder wegen des Brechens der Wellen zu erahnen sind.
Von der Ansteuerung konnten wir uns nun selbst ein Bild machen, sie ist sehr gut betonnt, daher kann es gut sein, dass wir auf der Rückreise noch eine Gelegenheit ergreifen werden, um auch mit der Mariana hierher zu kommen.

Die Halbinsel Kélaouro im Südosten der Insel ist nur während Niedrigwasser über einen schmalem Kiespfad zu erreichen. Nach der Ankunft stärkten wir uns zunächst mit einem Kaffee und machten uns dann erstmal auf den Weg dorthin, um trockenen Fußes diesen Inselteil und dann auch den Rest der Insel erkunden zu können. (siehe gepunktete Linie auf der Karte)

Karte der Île de Sein, von der Gemeinde im Internet zur Verfügung gestellt

Die Île de Sein ist ein Ort, an dem wir die Zeit und die Natur intensiver als sonst erleben. Die Insel erhebt sich wie ein schmaler Grat aus dem Atlantik, fast ohne Bäume, aber bedeckt von duftender Heide und Farnwäldern und durchzogen von kleinen Trockenmauern aus grauen Steinen. Das Meer bestimmt die Erreichbarkeit der Insel, den Lebensrhythmus, die Atmosphäre und das Licht. Die Luft ist erfüllt vom Salz des Meeres und dem Geruch der Algen. Es ist still um uns herum, noch sind wir nicht in der Hauptsaison und die Besucher, die mit der Fähre gekommen sind, verteilen sich recht schnell über die Insel. Die zum Teil farbig gestalteten Häuser setzen einen besonderen Akzent in dieser Felsenwelt, sie spiegeln sich im ruhigen Hafenwasser.

Wir nehmen beim Gehen und Schauen die Ausgesetztheit der Insel wahr und können uns nur ansatzweise vorstellen, wie es sich anfühlen muss, wenn man hier lebt und die Wellen des Atlantiks auch bei Starkwind und Stürmen heranrollen sieht. Die Insel ist so klein, dass man sie in wenigen Stunden umrunden kann, aber der Blick auf den Horizont nach Wester geht in eine unendliche Weite, die uns sehr beeindruckt.

Nachdem wir die Halbinsel Kélaouro einmal umrundet haben, wandern wir wieder zurück Richtung Quai de Paimpolais, spontan kehren wir dort im Le Brise-Lame ein und lassen uns dort ein leichtes und sehr leckeres Mittagessen schmecken. Danach besuchen wir das Musee Abri Du Marin, hier gibt es viel über die Geschichte der Insel und ihrer Bewohner zu erfahren. Nach einem Kaffee und einem Eis bei Chez Brigitte geht es dann noch in den nördlichen Teil zum Phare de Goulenez (Grand phare de l’Île de Sein) und zur Chapelle St. Corentin. Tom erklimmt dann auch die ungefähr 170 Stufen des 49 Meter  hohen Leuchtturms und kann eine Weile als einziger Besucher oben den Ausblick über die Insel genießen.

Gegen 16:00 Uhr treten wir dann, müde und mit strapazierten Füßen, aber sehr zufrieden mit diesem beeindruckenden Ausflug und Tag, den Rückweg zur Fähre an, die jetzt bei Niedrigwasser an einem südlicheren Punkt des Hafens auf uns wartet.

Die Überfahrt dauert auch wieder knapp eine Stunde, im Raz de Sein herrscht jetzt starke Strömung, wir sehen deutlich Overfalls, heftige Strömungswellen und weiße Gischt, die sich an den großen Seezeichen und an Felsen bricht. Das bewegte Wasser bringt jetzt sogar die robuste Fähre ins Schaukeln. Auf jeden Fall werden wir auch auf der Rückfahrt die Passage bei Stillwasser und sanften Winden planen. In St. Evette holt uns pünktlich wieder unser freundlicher Fahrer ab und setzt uns netterweise nahe an unserem Steg im Stadthafen ab.

Den Abend verbringen wir dann noch beim Erzählen und Abschied nehmen auf der Mariana mit Hans und Silke.

Ausflug zur Ile de Sein