26. August 2026 Wir sind am Vorabend, müde von dem frühen Aufstehen in Saint-Quai-Portrieux und dem langen Segeltag, in Guernsey angekommen. Da wir im Vorhafen liegen, haben wir das Land praktisch nur für das Bezahlen beim Hafenmeister und für eine warme Dusche betreten. Dann gehen wir so früh wie möglich ins Bett, um 3:30 Ortszeit bzw. 4:30 nach unserem Biorhythmus klingelt der Wecker.
Es ist dunkel, aber im Hafen können wir dank vieler Laternen am Ufer noch recht gut sehen. Leider übersehen wir aber die Signale an der Hafenausfahrt, da diese gerade von der ankommenden Fähre verdeckt werden. Das bedeutet, auch wegen eines anderen Seglers der mit uns rausfährt, kurz etwas Chaos, aber dann ist die Situation überstanden und wir fahren raus aufs freie Wasser und ins absolute Dunkel.
Mit unserem Suchscheinwerfer leuchten wir immer wieder nach vorne, um eventuelle Fischerbojen oder andere unkartierte Hindernisse zu erkennen. Den Kurs bestimmen wir nach dem Track auf unserem GPS Plotter.
Da kein Wind vorhanden ist, motoren wir natürlich. Und trotz der Dunkelheit mit normaler Geschwindigkeit, der Zeitplan… Mit dem Einsetzen der Dämmerung nach etwa einer Stunde wird es entspannter.

Es ist ein windstiller, ruhiger und klarer Morgen, und schließlich erleben wir wieder einen schönen Sonnenaufgang auf dem Meer.




Nach einigen Stunden befinden wir uns an der Grenze zum Alderney Race. Wir sehen erste Strudel, Kreise im Wasser und irgendwo auftauchende „Stufen“ im Wasser von 30 bis 50cm Höhe. Aber es ist kein Wind da, und es fühlt sich alles ruhig an.

Die Wildheit des Alderney Race hängt von vielen Faktoren ab, u.a. wie lange nach dem Kippen des Stromes man durchfährt und wie stark die Gezeiten aktuell sind. Und natürlich vom Wind. Wind haben wir heute keinen, die Stärke der Gezeiten ist so Mittelhoch, sollte das eine ruhige Durchfahrt erlauben?
Nach etwa einer weiteren Stunde wissen wir es. Von einer Minute auf die andere sind wir mitten im Getöse. Wellen, die wir von 5-6 Windstärken auf dem Ijsselmeer kennen (wir haben immer noch Flaute!), und in einem Chaos, also einem Durcheinander der Richtungen, die uns ständig umherwerfen. Besonders beeindruckend sind die manchmal mehr als 2m hohen, fast senkrechten Wasserwände, in die wir dann mit dem Bug eintauchen oder, wenn wir von der Welle hochgehoben werden, mit einem lauten Schlag ins Wellental klatschen. Ein Segelboot in Sichtweite scheint immer mal wieder nur mit dem Kiel über den Wellen zu schweben.
Für ein Schiff unserer Größe ist das alles ganz harmlos und wir fühlen uns sicher. Aber irgendwie bleibt im Unterbewusstsein eine Anspannung vorhanden, angesichts dieser gigantischen Kräfte der Natur. Immerhin, hier wird gerade der Englische Kanal mit Wasser gefüllt.
Das Geschaukel geht fast eine Stunde so extrem, wir sind angemessen angestrengt. Dann wird es recht schnell wieder ruhiger und schließlich haben wir nur noch eine ganz normale Welle, die vom Atlantik reinkommt. Kurz vor Cherbourg kippt dann der Strom wie erwartet gegen uns, und so werden aus eben noch 6 Knoten Geschwindigkeit nur noch 3,5. Aber nach 9 Stunden – alles mit Motor – sind wir in der Marina Cherbourg angekommen.
Cherbourg zeigt sich heute ganz anders als bei unserem Besuch vor genau 3 Monaten. Statt übervoll ist es eher leer. Wir sehen ungewöhnlich viele deutsche Boote, die entweder wie wir auf dem Weg nach Hause oder aber auch auf dem Weg ins Mittelmeer oder die Karibik sind.
Wir sind froh, angekommen zu sein. Als Abendessen gibt es einem Imbiss in dem Restaurant oben am Steg. Dann fallen wir todmüde ins Bett.
Übrigens waren die Wellen im Alderney Race das Thema auf dem Steg bei den angekommenen Schiffen. Wir waren nicht die einzigen, die bei dieser (unserer vierten Durchquerung) besonders beeindruckt waren.
