21. Juni 2026 Der Wecker klingelt heute um halb 6, um sieben Uhr wollen wir zusammen mit SY Karl die Leinen Richtung Audierne loswerfen.

Die Morgenstimmung im Hafen ist bezaubernd und als wir aufbrechen ist es ein ruhiger, sonniger und warmer Morgen mit sehr wenig Wind. So haben wir uns das ausgesucht, um jedes Risiko zu vermeiden, im Raz de Sein widrigen Umständen zu begegnen.

Um zu verdeutlichen, was es mit diesem speziellen Raz auf sich hat, hier ein verkürzter Auszug aus Wikipedia:
“ Der Raz de Sein ist der kürzeste und sicherste  Seeweg für Schiffe, die zwischen der  Atlantikküste und dem  Ärmelkanal  verkehren, denn weiter westlich versperren Untiefen, die  Île de Sein  und dann die Chaussée de Sein den Weg auf einer Länge von mehr als 30  Seemeilen. Aus Sicherheitsgründen und um das Risiko einer Umweltverschmutzung zu minimieren, dürfen große Schiffe diese Passage nicht mehr befahren[1].

Es ist ein sehr gefährliches Gebiet für die  Schifffahrt. Aufgrund der sehr starken Gezeiten-Strömung, die durch die Enge zwischen Pointe du Raz und der Île de Sein fließen muss, noch verstärkt werden: Bei Springtiden ( Koeffizienten von 100[2]) bis zu 7  Knoten  während der  Flut, welche nach Nordosten gerichtet ist und 6 Knoten während der  Ebbe, welche nach Südwesten strömt. Die Strömung führt selbst bei einer mäßigen Brise  zu einem sehr starken  Seegang, der auch für Schiffe von großer  Tonnage  unangenehm sein kann. In Schifffahrtsführern wird empfohlen, mit der Durchfahrt durch die Raz de Sein zu warten, bis die Strömung aufhört und sich das Meer beruhigt. „

Genau das ist unser Plan, wir wollen beim sogenannten Stillwasser durch das Raz fahren, das sind die Stunden unmittelbar vor und nach Hoch- und Niedrigwasser,  in dieser Zeit bewegt sich das Wasser kaum oder sehr viel langsamer, sodass sich keine gefährlichen Wellen oder Brecher aufbauen können. Die eigentliche Strecke beträgt ca. 4 Meilen, das ist machbar, da man ja mit der Strömung fährt, zur Not eben unter Motor.

Im Bild werden die verschiedenen Strömungen und Gegenströmungen im Raz de Sein dargestellt (für die Quelle Mauskklick auf’s Bild):

Der Motor kommt bis kurz vor der Einfahrt in das Raz zum Einsatz, danach können wir immerhin einige Zeit segeln. Mit uns haben sich viele weitere Segler diesen Zeitpunkt ausgesucht, um durch das Raz zu gehen. Wir sind schon lange ganz gespannt auf diese Passage, die vielen großen Seezeichen machen deutlich, dass es hier wirklich auf präzise Navigation ankommt. Obwohl der Wind weiter nur ganz sanft weht, sind auch hier wieder Overfalls und Wirbel im Wasser zu sehen, besonders um das Seezeichen „Tourelle de la Plate“ und dem Leuchtturm „Phare de la Vieille“ sind die Strömungen deutlich zu sehen. In Richtung Atlantik sieht man den Phare de Tévennec und dann weiter südlich die Ile de Sein, ganz flach wir auf dem Meer liegend, mit ihrem Leuchtturm „Grand phare de l’Île de Sein“ oder auch „Phare de Goulenez“ genannt.

So kann es dort bei viel Wind aussehen (Quelle im Bild):

Und so sah es bei uns aus:

Mariana unter Segeln im Raz (vielen Dank an SY Karl für die Bilder)

Wir kommen gut und schnell mit der Strömung durch und hatten gehofft, nach dem Raz auch noch bis Audierne segeln zu können, aber leider schläft der Wind dann wieder ein und wir legen die letzten Meilen unter Motor zurück.

In den Hafen von Audierne läuft man über eine Flussmündung ein und muss dann ein kurzes Stück den Fluss hoch fahren, bis man im Stadthafen ankommt. Das geht nur ab zwei Stunden vor Hochwasser bis eine Stunde nach Hochwasser. Die Fahrrinne ist recht eng und bei ablaufendem Wasser/Ebbe wird es rechts und links schnell sehr flach (grüne Flächen), daher ist es wichtig, der Betonnung genau zu folgen.

SY Karl hat weniger Tiefgang als wir und gibt Gas, um noch rechtzeitig innerhalb der Zeitspanne anzukommen, da wir aber mit unserem Tiefgang von 2 Metern auf jeden Fall bei auflaufendem Wasser einfahren wollen, beschließen wir, in der Bucht bei St. Evette zu ankern und erst am nächsten Morgen/vor dem nächsten Hochwasser in den Stadthafen zu fahren.

Es ist ein schöner Ankerplatz in klarem und türkisblauen Wasser, wir schauen auf den Atlantik und auf die leicht hügelige Küste mit den typischen kleinen bretonischen Häusern, vom Strand hören wir das fröhliche Lärmen von badenden Menschen und um uns herum geht ein Segelboot nach dem anderen vor Anker. Viele nutzen diesen Ankerplatz wohl wie wir als Ruheplatz nach dem Raz de Sein oder als Absprunghafen, um durch das Raz nach Norden fahren.

Da es inzwischen sehr warm geworden ist, wagt sich Heike sogar vom Boot aus ins Wasser…was allerdings eine ganze Weile dauert, denn der Atlantik hat hier aktuell, wie Tom nach Überprüfung mit dem Thermometer feststellt, gerade mal 18 Grad. Trotzdem ist es erfrischend, sich eine Weile im kühlen Nass zu bewegen.

Wir verbringen den Abend im Cockpit, schauen anderen Yachten bei ihren Ankermanövern zu und lassen uns später sanft in den Schlaf schaukeln. Für den nächsten Morgen müssen wir den Wecker stellen, damit wir den richtigen Zeitpunkt zur Einfahrt nicht verpassen.

Nach Audierne durch das Raz de Sein

4 Gedanken zu „Nach Audierne durch das Raz de Sein

  • 25. Juni 2026 um 18:55 Uhr
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    Hallo ihr 2,
    sieht je herrlich aus!
    Macht euch die Hitze arg zu schaffen?
    Liebe Grüsse aus dem heissen Eltville

    • 25. Juni 2026 um 22:47 Uhr
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      Hallo liebe Marion, ja die Bretagne ist einfach der Hammer….einfach faszinierend und wunderschön. Seit Montag haben wir es hier allerdings auch ungewöhnlich und ungewohnt heiß. Wir haben hier im Hafen von Audierne einen Stopp eingelegt, hier waren es am Montag und Dienstag 38 bis 39 Grad und nur sehr wenig Wind. Da heizt sich das Boot auch lustig auf. Habe mir ein Handtuch bereitgelegt, damit ich mir den Schweiß abwischen kann. und noch nicht mal einen richtigen Erkundungsgang gemacht, der Körper weigert sich. Wir lesen viel, ich schaue mir mögliche weitere Segelziele an, arbeite am Blog und den Fotos, soweit das geht ohne dass der PC heißläuft. Von Dienstag auf Mittwoch hatten wir einen Stromausfall, ganz Finistère war davon betroffen. Wir hatten Glück weil unser Steg am gleichen Verteiler hängt wie ein hiesiges Altenheim, aber Internet hat gestern den ganzen Tag noch geschwächelt und die andere Hälfte der Stadt hatte erst gestern Abend wieder Strom, irgendwo war eine wichtige Trafostation wegen der Hitze ausgefallen. Ein anschauliches Beispiel dafür, was uns der Klimawandel noch alles bescheren könnte…….am Samstag machen wir einen Ausflug zur Ile de Sein, wahrscheinlich segeln wir am Sonntag oder Montag weiter….

      • 28. Juni 2026 um 17:04 Uhr
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        Uouiuiui…..
        hier ist es auch abartig heiss.Zum Glück haben wir ein mobiles klimagerät.
        Trotzdem immer noch 30 Grad in der Wohnung.
        Da hilft nur Siesta machen und nur früh mirgens und spät abends vor die Tür zu gehen.

        • 28. Juni 2026 um 19:15 Uhr
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          Ja, aber wirklich

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