4. August 2026
Irgendwann wird es Zeit, weiter zu ziehen. Also entscheiden wir, L‘Aber Wrac’h am Dienstag zu verlassen. Die Vorhersage sagt mal etwas zuviel Wind, mal etwas wenig voraus, aber schließlich pendelt es sich vielversprechend ein.
Am Montag, dem Tag vor unserer geplanten Abfahrt, ist einiges im Hafen los. Ein windstiller sonniger Tag, es kommen viele neue Boote an, und viele wollen wie wir am nächsten Morgen ablegen. Auch bei uns gibt es etwas Durcheinander. Erst haben wir einen anderen Segler im Päckchen, der ebenfalls um 05:30 los will. Dann wird der an einen anderen Platz gelegt. Nun kommt alle 10 Minuten ein neues Schiff, das sich bei uns an die Seite legen will. Aber wir wollen ja früh los… Schließlich sieht der Hafenmeister keine weitere Lösung, zuviele Boote müssen untergebracht werden. Wir müssen uns auf einen anderen Platz verlegen. Heike hat in dem Moment die Idee, nach einem Bojenplatz draußen vor dem Hafen zu fragen. Und den bekommen wir auch und so müssen wir zwar ziemlich schnell aufbrechen, aber liegen nun an einer Boje mitten im ruhigen Fluss. Wir sind froh, dem Durcheinander im engen und vollen Hafen entkommen zu sein.
Nach einem frühen Abendessen geht es auch sehr früh ins Bett. Der aktualisierte Zeitplan sagt 05:00 Uhr aufstehen, 05:45 losfahren.
Und so machen wir das auch. Nur leider kommt mit dem Wind auch Regen. Ja, tatsächlich brechen wir um viertel vor sechs in absoluter Dunkelheit und bei Nieselregen auf. Der erste Regen seit Wochen, aber warum genau jetzt? Mit einer Lampe kontrollieren wir die Position der Bojen links und rechts von uns, und damit auch die Korrektheit unseres Navigationssystems. Zum Glück wird es recht bald etwas heller, und wir können die Seezeichen und im Fluss liegende Boote nun auch ohne Lampe sehen.
Nach einer knappen Stunde haben wir das Ende der recht schmalen Zufahrt erreicht und sind auf dem offenen Meer. Die Segel werden gehisst, und… es reicht nicht. Der Wind kommt von hinten, der Strom ist mit uns, wir könnten nur viel zu langsam segeln, also bleibt der Motor an.
Denn wie immer in diesem Revier ist Timing wieder total wichtig. Wir müssen in 5 Stunden an der Durchfahrt zu Ile de Batz sein, sonst wird es sehr ungemütlich, oder bedeutet einen großen Umweg um die Insel.
Nach etwa einer Stunde, der Regen hat mittlerweile aufgehört, können wir für eine Weile segeln. Das Tempo passt noch gerade so. Und kaum ist der Motor aus, sehen wir Delphine, die kurz bei uns vorbeischauen. Das machen die an diesem Tag immer wieder, wir sehen bis kurz vor unserem Ziel immer wieder diese faszinierenden Tiere, mal ganz dicht am Boot, mal in der Ferne mit tollen Sprüngen jagen.


Schließlich kommt der Wind noch etwas kräftiger, und wir können sogar die schmale und felsige Durchfahrt zwischen Roscoff und der Ile de Batz noch unter Segeln fahren. Erst kurz vor der Marina Roscoff holen wir die Segel ein und machen uns klar für das Anlegen.
Wie üblich werden wir von einem Hafenmeister im Schlauchboot empfangen, und der weist uns einen Liegeplatz zu. Allerdings eher enigmatisch, und in der Eile, diesen doch noch zu erwischen, vergeigen wir das Anlegemanöver ziemlich. Nix kaputt, aber peinlich.
Wir sind etwas genervt von dem Manöver, aber kaum haben wir alles Hafenmäßig eingerichtet, werden wir aufgefordert den Liegeplatz wieder zu verlassen und einige Plätze weiter vorne neu anzulegen. Ein Fehler beim Zuweisen. Man ist „desolé“.
Also unsere Chance, es diesmal besser zu machen. Und was soll ich sagen, trotz Böen der Windstärke 5-6 ein blitzsauberes Ab- und wieder Anlegen. Wir können nun wieder stolz auf unsere Manöverfähigkeiten sein 🙂
